Programm für das Winterhalbjahr 2007/2008:
Dr. Elke Först (Bodendenkmalpflege Hamburg):
Ein Blick auf Hamburg aus Sicht der Bodendenkmalpflege
Mittwoch, 05.12.2007, 18.00 Uhr
Archäolog. Institut, Uni-Hauptgebäude, Flügel West, Raum 121
Hamburg mit seinem sich ständig wandelnden Stadtbild gehört wie Bremen
und Berlin zum Kreis der kleinen Stadtstaaten, die in Anbetracht überschaubarer
Grenzen und reduzierter Hierarchien einen eigenwilligen Umgang mit der
Denkmalpflege pflegen. Die Geschichte der Institution Bodendenkmalpflege
beginnt 1947 und hat seitdem mehrere Umbrüche erlebt. Seit 1987 ist
sie als Abteilung in das Harburger Helms-Museums integriert, das mit
Beginn 2008 als eines von vier Museen Teil der gemeinsamen Stiftung
Stadt- und Kulturgeschichtli-che Museen sein wird.
Innerhalb der Hamburger Museumslandschaft nimmt die Abteilung Bodendenkmalpflege
aufgrund ihrer gesetzlich definierten Aufgaben als Trägerin öffentlicher
Belange eine Son-derstellung ein. Die damit verbundene alltägliche Verwaltungspraxis
beansprucht einen Großteil der Arbeitsstunden und ist letztendlich nur
mit dem Setzen von Prioritäten in Abhän-gigkeit vom Baugeschehen zu
bewältigen. Zugleich sind die Anforderungen an die Boden-denkmalpflege
in den letzten Jahren, bedingt durch beschleunigte Bauabläufe und den
an-haltenden Bauboom unter dem Schlagwort Wachsende Stadt einhergehend
mit dem Fehlen finanzieller Mittel, enorm gestiegen. Um den bodendenkmalpflegerischen
Aufgaben gerecht zu werden, mussten von daher neue Wege gefunden und
eingeschlagen werden. Welche Schwierigkeiten und Probleme zu lösen sind,
wird im Vortrag anhand ausgewählter Gra-bungsprojekte dargestellt.
Dr. Erich Classen (Landesdenkmalamt Bayern):
Siedlungs-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Bandkeramik im Rheinland
Mittwoch, 09.01.2008, 18.00 Uhr
Archäolog. Institut, Uni-Hauptgebäude, Flügel West, Raum 121
Prof. Dr. Felix Biermann, Humboldt Universität Berlin & die Gesellschaft
für Pommersche Geschichte:
Die Kirchen Otto von Bamberg - eine archäologische Spurensuche
Dienstag, 22.01.2008, Vortrag in der Buchhandlung Laatzen, Warburgstraße 18, 20354 Hamburg
Otto von Bamberg (um 1060-1139) wirkte als Theologe und Lehrer in Polen, war kurz Kanzler Kaiser Heinrichs IV, dann Bischof von Bamberg, in dessen Umgebung er zahlreiche Klöster gründete; erhielt einen Ruf des Herzogs Boleslav von Polen, die Pommern zu christianisieren, und wurde so zum "Apostel der Pommern".
Dr. Daniela Hofmann (Cardiff University):
Der Tod einmal anders - Dimensionen bandkeramischer Bestattungssitten
Mittwoch, 23.01.2008, 18.00 Uhr
Archäolog. Institut, Uni-Hauptgebäude, Flügel West, Raum 121
Die Bestattungssitten der Bandkeramik werden gewöhnlich in zwei Sphären unterteilt: Siedlungsbestattungen und Beisetzungen auf Gräberfeldern. Auf der Basis unterschiedlicher demographischer Zusammensetzung und Beigabenausstattung der Toten wird dann eine Wertung im Hinblick auf deren sozialen Status vorgenommen, die dann wiederum die Grundlage für weiter reichende Aussagen zur bandkeramischen Gesellschaftsstruktur bildet. Aber ist es damit wirklich getan? Im Vortrag werden die Gemeinsamkeiten der verschiedenen Bestattungsmassnahmen betrachtet, die es, trotz der Unterschiede gibt. Diese Unterschiede gründen sich vor allem auf einer Betrachtung des Todes und der daran anschliessenden Bestattung als einem "total social fact", einem Ereignis also, das sämtliche Aspekte gesellschaftlichen Lebens berührt. Konzeptionen des menschlichen Körpers und den Veränderungen, denen er unterliegt, die emotional geladene Choreographie und Ästhetik des Rituals und seine Nachwirkungen für die Überlebenden zeigen, dass wir den Informationsgehalt bandkeramischer Gräber bei weitem noch nicht ausgeschöpft haben.
Besuch der Ausstellung "Peitsche der Erinnerung" im Helms-Museum
Samstag, 02.02.2008, Treffpunkt: 11.00 Uhr am Helms-Museum, Museumsplatz 2, Harburg
Die Künstler Daniel Richter und Jonathan Meese lassen sich von der Archäologie inspirieren und bieten so eine Verbindung zwischen moderner Kunst und Archäologie.
Eric Müller, M.A., Universität Berlin:
Archäologen im Kloster - Neue Forschungsergebnisse aus dem ehemaligen
Zisterzienserkloster "Buch"
Mittwoch, 06.02.2008, 18.00 Uhr
Archäolog. Institut, Uni-Hauptgebäude, Flügel West, Raum 121
Das ehemalige Zisterzienserkloster Buch (Sachsen) gehörte zu den bedeutendsten
Zisterzienserklöstern im mitteldeutschen Gebiet. Bis Ende des 20.Jh.
wurde die Bau- und Siedlungsgeschichte lediglich mit Hilfe des noch
erhaltenen Bestandes und einigen Grabungen um 1900, sowie den spärlichen
historischen Quellen rekonstruiert. Das so gewonnene Bild hatte lange
Gültigkeit und stellte das Kloster im Vergleich zu anderen Klöstern
des Ordens im Umfeld als schlichter und von untergeordneter Bedeutung
dar. Wenngleich die Hochwasserflut 2002 eine Katastrophe für die Region
bedeutete, so stellte sie für die Archäologie einen Glücksfall dar.
Erstmals konnten mit modernen Methoden größere Flächen im Bereich des
ehemaligen Klostergebietes untersucht werden. Im Zuge der mehrjährigen
Sanierungsarbeiten im Dorf Klosterbuch konnten Befunde erfasst werden,
die die Bau- und Siedlungsgeschichte in völlig neuem Licht erscheinen
lassen. Erstmals konnten Befunde der Vor- und Frühzeit des Klosters
auf archäologischem Weg nachgewiesen werden, waren sie doch bislang
nur aufgrund der schriftlichen Quellen zu vermuten. Von besonderer Bedeutung
ist der ergrabene Ostabschluss der Klosterkirche. Ältere kunsthistorisch
orientierte Untersuchungen vermuteten einen apsidialen Abschluss. Dieser
konnte archäologisch bestätigt werden. Allerdings erwiesen sich die
Befunde chronologisch und typologisch als sehr vielschichtig in Bezug
auf die Bauphasengliederung. Besonders die äußerst starke Bebauung im
östlichen Bereich der Klausur warf hinsichtlich der Befunde viele Fragestellungen
auf. Eine hier nachgewiesene Warmluftheizung, scheinbar ohne direkten
Gebäudebezug, zeigt den zur Klosterzeit exklusiven Charakter der ergrabenen
Gebäudestrukturen nördlich des Abthauses. Die hier gefundenen zahlreichen
Tonfliesen eines Schmuckfußbodens untermauern dieses Bild.
Interessant sind die direkt mit dem Baukomplex Abthaus/Infirmarium im
Zusammenhang stehenden Mauerbefunde. Besonders hervorzuheben ist der
Nachweis des doppelgeschossigen steinernen Verbindungsgang zum Ostflügel
der Klausur. Zu den infrastrukturellen Befunden gehört beispielsweise
ein Tor im Norden der Klausur. Auch Metallfunde, wie etwa ein seltenes
Lesezeichen aus Bronze, erhellen die kulturhistorische Bedeutsamkeit
des Klosters. Mit den auf archäologischem Weg gewonnenen Erkenntnissen
zeigt sich, im Zusammenhang mit den ebenfalls neuen Ergebnissen der
Bauforschung, ein neues Bild des Klosters, welches bis vor einigen Jahren
nicht denkbar gewesen wäre.
Exkursion: Werkstattbesuch der Büchsenmacherei Wittleben in Lüneburg
Mittwoch, 12.03.2008, Treffpunkt 16.00 Uhr an der Ecke Enge Straße / Heiligengeiststraße in Lüneburg
Für die Exkursion ist keine Anmeldung erforderlich
Runder Vor- und Frühgeschichtstisch im Schwedenspeicher Stade
Samstag, 29.03.2008, 11 – 16 Uhr im Schwedenspeicher Stade
Vorgesehene Themen: Ausstellungsbesuch „Schätze im Schlick“ anschließend Vorstellung und Diskussion von Sammlungs- und Forschungsschwerpunkten ehrenamtlicher Sammler und Forscherinnen: Steinzeit und frühgeschichtliche Burgen. Moderation: Dr. J. Holst in Zusammenarbeit mit der AG Archäologie des Stader Geschichts- und Heimatvereins und der AG Vor- und Frühgeschichte des Kreises Stormarn
Pinnwand:
Am 25. April 2007 berichtete Frau Dr. Doris Mischka in ihrem Vortrag über die Ausgrabung in Wolkenwehe (bei Bad Oldesloe). In diesem Sommer wurde die Arbeit fortgesetzt - lesen Sie dazu folgenden Artikel aus den Kieler Nachrichten vom 5. September 2007. (externer Link öffnet in neuem Fenster)
Im September 2007 starb Herr Prof. em. Dr. Hans Georg Niemeyer. Sein Fachgebiet waren die Phönizier/Punier gewesen, über deren Stadt Karthago er uns vor fünf Jahren berichtet hatte und über die er eine zweibändige Monographie gerade noch veröffentlichen konnte.
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